Reihe Experimentalfilm //#26: GROUPE DZIGA VERTOV (1968 – 1974) & Numéro deux (Jean-Luc Godard, 1975)

13 – 16. Mai 2010

Reihe Experimentalfilm / Avantgarde ist Keine Strömung I zeigt  zum ersten Mal in Leipzig Filme von dem marxistisch-leninistischen und maoistisch-millitanten Kollektiv Groupe Dziga Vertov (Jean-Luc Godard, Jean-Pierre Gorin u.a.) Der von Jean-Luc Godard 1975 gedrehte Essayfilm Numéro deux ist ein „Remake“ seines ersten Films Außer Atem und daher sein „zweiter Erstlingsfilm“.

Die Groupe Dziga Vertov (GDV) ist  im Mai 1968 in Paris entstanden und wurde 1974 endgültig aufgelöst. Sie war ein Kollektiv, das versuchte linke Politik, politisches Filmemachen sowie die Herstellung und  Funktion von Bildern und Tönen und ihre Beziehung zueinander (selbst)kritisch zu hinterfragen.  „Wir beschreiten einen neuen Realismus, näher zur Brecht’schen Theorie.“  so Jean-Pierre Gorin.

GDV wird zwar als ein Kollektiv beschrieben, allerdings hatten sie kein Büro, keine Treffen und angeblich kein Manifest. Es wurden Filmpamphlete  gedreht, die sich mit den amerikanischen Black Panthers, palästinensischen Freiheitskämpfern oder britischen Arbeitslosen befassen. Programm des Mitglieds Jean-Luc Godard  war es nicht nur politische Filme zu machen, sondern  Filme politisch zu machen.

Als Teil das Projektes Avantgarde ist Keine Strömung I wünscht sich  die Reihe Experimentalfilm ein größeres Verständnis für die GDV  zu bewirken. Es gibt zwei Vorträge von Leif Magne Tangen mit Filmbeispielen im D21 Kunstraum und einem 3-teiligem Screening in der Kinobar Prager Frühling.

Das  Screening umfasst folgende Filme:

Lotte in Italien analysiert auf didaktische Weise und in vier Etappen das Leben einer jungen Frau und die Bewusstwerdung eines Widerspruchs: dem zwischen ihrer militanten Tätigkeit und dem, was in ihrem Alltag an bürgerlicher Ideologie übrig bleibt.

Letter to Jane; an Investigation about a Still ist der letzte „Film“ von Godard und Gorin, ein Filmessay das eine Auseinandersetzung zwischen dem Bild und der (politischen) Realität ist.

Numéro deuxe zeigt uns Abschnitte einer Geschichte und ist vor allem eine Einführung in die Welt der Bilder die Godard montiert hat.

Veranstaltungen:

Mittwoch, 12. Mai, D21 Kunstraum Leipzig
Introduction Groupe Dziga Vertov I
mit Filmausschnitten und einem Vortrag von Leif Magne Tangen

Donnerstag, 13. Mai, 19:00 – 22:00 (späterer Eintritt möglich)
D21 Kunstraum Leipzig
Indruduction Groupe Dziga Vertov II
mit Filmausschnitten und dem 2.Teil des Vortrags von Leif Magne Tangen

Sonntag, 16. Mai, 11:00 – 16:00, Kinobar Prager Frühling
Indruduction Groupe Dziga Vertov III
11:00 Luttes en Italie (Lotte in Italia), Groupe Dziga Vertov, Frankreich / Italien, 1971, 62 min, digitale Projektion, OmEU
12:30 Letter to Jane: An Investigation About a Still, Jean-Luc Godard & Jean-Pierre Gorin, Frankreich, 1972, 54 min, digitale Projektion OF
14:00 Numéro deux, Jean-Luc Godard, Frankreich, 1975, 88 min, digitale Projektion OmEU

Orte:

Mittwoch und Donnerstag
D21 Kunstraum Leipzig, Demmeringstr. 21, 04177 Leipzig Lindenau

Sonntag:
Kinobar Prager Frühling, Bernhard-Göring-Straße 152, Haus der Demokratie
04277 Leipzig Connewitz
Eintrittspreis: 5/4 EUR, D21 Mitglieder kostenfrei

Die nächste Veranstaltung: Ben Russell, der in Chicago lebende Experimentalfilmkünstler zeigt im Juni  seine Frühwerke und Juli seinen ersten Langspielfilm Let Each One Go Where He May.