Reihe Experimentalfilm No. 27 // Avantgarde ist Keine Strömung I
Ben Russell
Let Each One Go Where He May
Mittwoch, 9. Juni, 21:30 Uhr, Sommerkino auf der Feinkost
Karl Liebknecht Str. 36
4/5 Euro
Ben Russell (USA, 1976) ist nicht nur ein (inzwischen) weltbekannter Experimental-filmemacher, er ist der Grund warum D21 und Filmgalerie Alpha60 2007 mit den monatlichen Screenings angefangen haben. Ben Russell brauchte einen Ort in Leipzig, um seine und Jonathan Schwarz Filme zu zeigen. Daraus entstand die Veranstaltung: Reihe Experimentalfilm.
B. Russell ist Medienkünstler, Kurator und Experimentalfilmemacher. Seine Filme drehen sich sehr oft um Themen wie Ethnographie, Strukturalismus und psychedelische Zustände. Seine Ausstellungen, Performances und Filme sind um die Welt gereist, er hat seine Filme als Soloprogramm zum Rotterdamer Filmfestival und im Museum of Modern Art gezeigt, ein Guggenheim-Stipendium bekommen und für seine Filme einige Preise erhalten.
Kurz vor seinem Besuch in Leipzig dieses Jahr, wird er am Berlin Documentary Forum am Haus der Kulturen der Welt teilnehmen – wo auch die Deutschlandpremiere von seinem ersten Langfilm Let Each One Go Where He May stattfinden wird.
Jetzt wird Ben Russell zum 4.Mal bei uns etwas zeigen (zwei Mal hat er in Leipzig ein Film-/ Performence-Programm gezeigt und 2007 das Filmprogramm The Imminent Faliure Show kuratiert). Wir werden seine preisgekrönte Filmserie TRYPPS im D21 zeigen und sein Debütlangfilm Let Each One Go Where He May wird im Sommerkino auf Feinkost als Leipzig-Premiere zu sehen sein.
An beiden Abenden wird es eine Einführung geben und Ben Russell wird anwesend sein und es gibt ein Filmgespräch danach.
FILME:
Let Each One Go Where He May
135:00, 16mm, Farbe, ohne Dialog, 2009
“This is how we’ve heard it: during slavery, there was hardly anything to eat. They would whip you until your ass was burning, then they would give you a bit of plain rice in a bowl. And the gods said, they said that this is no way for human beings to live. The gods would help them. ‘Let each one go where he may.’ So they ran.” – Lantifaya, Masiakiiki, Suriname, 1973
Ben Russells erster Langfilm ist etnographisch, ein sehr persönlicher Film, ein historischer Film, zu einem gewissen Teil ein Dokumentarfilm und ein Experimentalfilm. Es ist von all dem etwas und wiederum keines davon; es ist ein Film, wo man nicht so schnell einen Vergleich finden kann.
Der Film hat eine klare Struktur und ein festgelegtes Setting. Wir befinden uns in Suriname und wir folgen den zwei Saramaccaner Maroons Brüdern Monie und Benjen Pansa auf ihrer Reise durch den Dschungel. Der Film besteht aus 13 Takes, die jeweils 10 Minuten lang sind, wobei innerhalb von einem Take kein Schnitt gemacht wurde (ca die Länge einer 16mm Filmrolle). Jede Szene zeigt einen Teil von dem Pfad den ihre Vorväter, die Sklaven 1863 gegangen sind, als sie vor den Eroberern (in diesem Fall die Niederlande) geflogen sind. Es gibt keinen Dialog im Film und die Kamera fokusiert immer einen der beiden Brüder.
Für Let Each One Go Where He May hat B. Russell den “FIPRESCI Award”, International Film Festival Rotterdam und “Grand Permio / Große Preis”, Punto de Vista, Pamplona, Spanien erhalten.
D21 Kunstraum Leipzig