17. Jun–31. Jul 2016

RASTER : BETON ‚Äď Festival f√ľr Architektur und Kunst in Leipzig-Gr√ľnau

Ausstellung

Foto: Julia Debus

2016 Zehn

Eröffnung: 20160616

Ausstellungsdauer: 17. Jun–31. Jul 2016

Künstler_in: Bruit du Frigo, zukunftsgeraeusche, Folke K√∂bberling, Julischka Stengele, Daniel Theiler, Margret Hoppe, Andrea Pichl, Laurent Kronental, Ginan Seidl und Ray Peter Maletzki, Anne-Val√©rie Gasc und weitere

Kurator_in: Juliane Richter, Hannah Sieben

Festivalhomepage (Infos, Videos, R√ľckblick, Pressespiegel): raster-beton.de

Das Festival RASTER : BETON betrach­tet Architektur und das Leben in Großwohnsiedlungen aus der Perspektive zeit­ge­nös­si­scher Kunst.

¬ĽJeder Platz braucht Zeit, um ein Ort zu wer¬≠den¬ę Dieser Satz von Oswald Mathias Ungers ist zugleich Entschuldigung und Zustandsbeschreibung von Gro√üwohnsiedlungen welt¬≠weit. Entstanden sind sie aus dem Geist der Moderne unter diver¬≠gie¬≠ren¬≠den kul¬≠tu¬≠rel¬≠len, poli¬≠ti¬≠schen und r√§um¬≠li¬≠chen Bedingungen, jedoch nach √§hn¬≠li¬≠chen kon¬≠struk¬≠ti¬≠ven Methoden und stadt¬≠pla¬≠ne¬≠ri¬≠schen Leitbildern.  2016 j√§hrt sich die Grundsteinlegung Gr√ľnaus zum 40. Mal ‚Äď ein idea¬≠ler Zeitpunkt, sich der ‚ÄěPlatte‚Äú als √§sthe¬≠ti¬≠sches und kon¬≠struk¬≠ti¬≠ves Element, als Wohnraum und Symbol und ihren sozia¬≠len und poli¬≠ti¬≠schen Zuschreibungen und Zukunftspotentialen in einer wach¬≠sen¬≠den Stadt wie Leipzig zu wid¬≠men. RASTER : BETON rich¬≠tet sich an Gr√ľnau-Neulinge und lang¬≠j√§h¬≠ri¬≠ge Bewohner_innen, Kunstschaffende und Architekturexpert_innen. Dabei fun¬≠giert die Platte nicht nur als Kulisse, son¬≠dern dient zugleich als Anschauungsobjekt und Diskussionsgrundlage in Zeiten von Zuwanderung, Mietpreisbremse und fort¬≠schrei¬≠ten¬≠der Wohnraumknappheit.

Gr√ľnau ist √ľberall

Leipzig-Gr√ľnau ist das zweit¬≠gr√∂√ü¬≠te Plattenbaugebiet in der ehe¬≠ma¬≠li¬≠gen DDR und heu¬≠te die gr√∂√ü¬≠te Plattenbausiedlung Sachsens. Vierzig Jahre sind nun¬≠mehr seit der Grundsteinlegung von Gr√ľnau ver¬≠gan¬≠gen. Das sind vier Jahrzehnte, die sowohl das Antlitz der geplan¬≠ten Siedlung als auch deren Bewohner_innen ver¬≠√§n¬≠dert haben.

Die Architektur stellt uns heu¬≠te rele¬≠van¬≠te Fragen: Wie ent¬≠steht aus einem Platz, der schein¬≠bar ohne Tradition ist, ein iden¬≠ti¬≠t√§ts¬≠stif¬≠ten¬≠der Ort? Wie eig¬≠nen sich die Bewohner_innen ein sol¬≠ches Viertel an? Wo fin¬≠det sich Individualit√§t im Massenwohnungsbau? Was ist in kapi¬≠ta¬≠lis¬≠ti¬≠scher Zeit noch √ľbrig von der Utopie der Erbauerzeit? Hat die Shoppingmall den sozia¬≠lis¬≠ti¬≠schen Kulturbau ersetzt? Das Festival m√∂ch¬≠te die¬≠se Fragestellungen b√ľn¬≠deln. Statt exo¬≠tisch anmu¬≠ten¬≠der Bespielung eines Leerraums, statt pathe¬≠ti¬≠scher √úberh√∂hung der Vergangenheit, geht es uns um das Ansto√üen einer Debatte mit den Mitteln der Kunst. Das Festival l√§dt Kultur‚ÄĎ, Geschichts- und Architekturinteressierte, Tourist_innen und Architekt_innen dazu ein, w√§h¬≠rend die¬≠ses mehr¬≠w√∂¬≠chi¬≠gen, mul¬≠ti¬≠lo¬≠ka¬≠len Festivals √ľber das glo¬≠ba¬≠le Ph√§nomen nach¬≠zu¬≠den¬≠ken und neue Perspektiven auf ein loka¬≠les zu gewin¬≠nen. Sich dem Beispiel Gr√ľnau zu wid¬≠men hat das Potential, die Gegenwart des Wohnens vor Augen zu f√ľh¬≠ren und ihre Zukunft zu ima¬≠gi¬≠nie¬≠ren. Ein Thema, was kei¬≠nes¬≠falls lokal beschr√§nkt ist, son¬≠dern glo¬≠ba¬≠le Bedeutung hat. Ob in Berlin-Marzahn, M√ľnchen-Neuperlach, Toulouse-La Mirail oder Moskau-Saburowo ‚Äď Gr√ľnau ist √ľber¬≠all.

Die vier Elemente des Festivals

Eine Ausstellung zeit¬≠ge¬≠n√∂s¬≠si¬≠scher Kunst im D21 Kunstraum Leipzig zeigt k√ľnst¬≠le¬≠ri¬≠sche Positionen aus Deutschland und Frankreich zu Gro√üwohnsiedlungen und Plattenbauten. K√ľnstler_innen vor Ort ent¬≠wi¬≠ckeln w√§h¬≠rend zwei¬≠mo¬≠na¬≠ti¬≠ger Aufenthalte orts- und kon¬≠text¬≠spe¬≠zi¬≠fi¬≠sche, par¬≠ti¬≠zi¬≠pa¬≠ti¬≠ve Arbeiten unter Einbindung der Bewohner_innen. Ein inter¬≠dis¬≠zi¬≠pli¬≠n√§¬≠res Symposium f√ľhrt Positionen von Referent_innen, Bewohner_innen, loka¬≠len Initiativen und K√ľnstler_innen zusam¬≠men. Das Rahmenprogramm, bestehend unter ande¬≠rem aus einer Filmreihe, Stadtspazierg√§ngen und kunst¬≠ver¬≠mit¬≠teln¬≠den Angeboten, sowie beglei¬≠ten¬≠de Satelliten-Programme, run¬≠det das Festival ab.

Ausstellung im D21

Die Inszenierung fran¬≠z√∂¬≠si¬≠scher Grands Ensembles und ost¬≠deut¬≠scher Gro√üwohnsiedlungen in Fotografie, Video und Installation ist Thema der Ausstellung. Sie ist Teil des Festivals RASTER : BETON im D21 Kunstraum und Leipzig-Gr√ľnau.

Das urba¬≠ne Narrativ einer Architektur f√ľr die Massen und die indi¬≠vi¬≠du¬≠el¬≠le, per¬≠s√∂n¬≠li¬≠che Geschichte ihrer Bewohner_innen stellt Laurent Kronental ein¬≠an¬≠der gegen¬≠√ľber ‚Äď die Architektur wird zum monu¬≠men¬≠ta¬≠len Panorama in mys¬≠ti¬≠scher Atmosph√§re. Halle-Silberh√∂he ist Schauplatz einer Erkundungstour und rea¬≠ler Gegenstand der Aneignung durch die Praxis des Wohnens bei Ginan Seidl und Ray Peter Maletzki. Margret Hoppe abs¬≠tra¬≠hiert das √Ąu√üere von Le Corbusiers Wohnmaschinen in Berlin und Marseille und fokus¬≠siert den Eigenwert ihrer Farbigkeit und Materialit√§t und auch Andrea Pichls Installation zu Leipzig-Gr√ľnau zeigt mate¬≠ri¬≠el¬≠le Qualit√§ten und Risse im archi¬≠tek¬≠to¬≠ni¬≠schen Gef√ľge auf. Anne-Val√©rie Gasc hin¬≠ge¬≠gen doku¬≠men¬≠tiert die Zerst√∂rung fran¬≠z√∂¬≠si¬≠scher Wohnt√ľrme und insze¬≠niert die Gewalt gegen¬≠√ľber Architektur in einer bei¬≠na¬≠he kind¬≠li¬≠chen Euphorie. Hinter allem schwebt die Fragen nach der sich in jener Architektur mani¬≠fes¬≠tie¬≠ren¬≠den Utopie und ihrer Realit√§tstauglichkeit im Heute; den Urspr√ľngen einer inter¬≠na¬≠tio¬≠na¬≠len Moderne und der heu¬≠ti¬≠gen Perspektive auf sie.