Wir haben Kuratorin Sara Castelo Branco gefragt, ob sie uns einen Einblick in die ausgewählten Arbeiten zur aktuellen Ausstellung Dissident Bodies geben kann:
Teil 3 / HUGO DE ALMEIDA PINHO Diese Arbeit basiert auf Recherchen in europäischen medizinischen Museen. Sie untersucht kritisch die Grenze zwischen Wissen und Gewalt und fragt danach, wie wissenschaftliche Praktiken unter dem Anspruch, Erkenntnis zu schaffen, zugleich Schaden verursachen konnten.
Durch die erneute Auseinandersetzung mit den Bildern und Ausstellungen anatomischer und pathologischer Museen hinterfragt die Arbeit, warum bestimmte Körper untersucht, klassifiziert und ausgestellt wurden. Sie verdeutlicht, dass diese Institutionen nicht einfach neutrales Wissen präsentierten, sondern aktiv Vorstellungen darüber mitprägten, welche Körper als „normal“ galten und welche als anders oder „fremd“ betrachtet wurden.
Durch diese Reflexion lädt die Arbeit die Betrachter:innen dazu ein, über die historische Rolle der Medizin bei der Definition und Kontrolle von Körpern nachzudenken. Sie zeigt, wie Wissenssysteme zur Entstehung von Hierarchien und Formen der Ausgrenzung beigetragen haben. Das Projekt bekräftigt die Idee, dass der Körper weder neutral noch festgelegt ist, sondern durch kulturelle, wissenschaftliche und politische Rahmenbedingungen konstruiert wird.
Hugo de Almeida Pinho ist ein portugiesischer zeitgenössischer Künstler und Forscher. Er lebt und arbeitet zwischen Portugal und Deutschland. Seine Arbeit bewegt sich zwischen bildender Kunst, Medienkunst, Film, Performance und theoretischer Forschung.
Bild: @ M. Moser
