Wir haben Kuratorin Sara Castelo Branco gefragt, ob sie uns einen Einblick in die ausgewählten Arbeiten zur aktuellen Ausstellung Dissident Bodies geben kann:
1. Teil / Kiluanji Kia Henda: Dieses Foto zeigt ein Porträt, das die gewaltsamen Prozesse sichtbar macht, durch die Schwarze Körper zu Objekten der Zurschaustellung und Kontrolle gemacht wurden.

Objet Trouvé ist eine Serie aus sechs Porträts, die in einem verlassenen Bereich hinter einem Hotel in Luanda aufgenommen wurden. In diesen Bildern werden gefundene Gegenstände vor das Gesicht des Mannes gehalten, wodurch seine Identität verborgen und die Aufmerksamkeit von seiner Person abgelenkt wird. Diese Objekte verdecken den Blick der Betrachter:innen jedoch nicht nur – sie verweisen zugleich auf eine Geschichte der Gewalt, in der der Schwarze Mann immer wieder zum Objekt gemacht wird: durch Arbeit, Kolonialismus und sogar durch die Fotografie selbst. Die Gegenstände wirken fremdartig und symbolisch und verwandeln alltägliche Dinge in kraftvolle Bilder, die unsere Wahrnehmung von Identität, Körper und Repräsentation hinterfragen.
Im Zusammenhang mit dem Fokus der Ausstellung auf posthumane Verkörperung zeigt die Arbeit, dass der Körper nicht autonom ist, sondern durch Systeme wie Arbeit, koloniale Geschichte und visuelle Repräsentation konstruiert wird.
Kiluanji Kia Henda (*1979, Luanda) beschäftigt sich in seinen Arbeiten mit Geschichte, Kolonialismus, Krieg und Identität in Angola. Durch die Verbindung von dokumentarischen Elementen, Inszenierung und Humor entwirft er neue Perspektiven auf postkoloniale Gesellschaften und ihre Zukunft. Kia Henda arbeitet medienübergreifend mit Fotografie, Installation und Performance und versteht seine Praxis als konzeptuelle Kunst, bei der die Idee im Mittelpunkt steht.