Die Arbeitsweise der Leipziger Künstlerin Carolina Pérez Pallares verfolgt eine künstlerische Praxis, die Malerei nicht als abgeschlossenes Medium versteht, sondern als offenes System des Denkens, Wahrnehmens und Handelns. Ausgehend von einem erweiterten Malereibegriff löst sie Farbe, Material und Geste aus ihrer traditionellen Bindung an die Leinwand und überführt sie in raumgreifende Installationen, Performances und fragile Anordnungen, in denen sich Objekte, Spuren und Handlungen zu prozesshaften Konstellationen verdichten.
Carolina Pérez Pallares wurde 1980 in Quito (Ecuador) geboren und lebt und arbeitet in Leipzig. Sie ist Absolventin der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Karlsruhe und Meisterschülerin von Prof. Marijke van Warmerdam. Ihre Arbeiten wurden international in Einzelausstellungen (MAC Museo de Arte Contemporáneo de Chile, Museo de Arte Contemporáneo in Quito, Ecuador, Kunstraum V8 Plattform in Karlsruhe, Cité Internationale des Arts in Paris, Galerie der Stadt Sindelfingen u.a.) sowie in Gruppenausstellungen gezeigt. In den Arbeiten treten Gips, Papier, Holz, Stoff, Pigment oder gefundene Materialien in einen Dialog mit malerischen Setzungen und performativen Gesten. Nichts erscheint endgültig fixiert; vielmehr vermitteln die Installationen den Eindruck, als befänden sie sich in einem Zustand permanenter Möglichkeit. Farbe ist dabei niemals bloß Oberfläche. Sie wird zu einem eigenständigen Akteur, der Räume strukturiert, Bewegungen lenkt und Beziehungen zwischen den Elementen herstellt.
In ihrer aktuellen Einzelausstellung im D21 Kunstraum setzt sich Carolina Pérez Pallares subjektiv und autobiografisch mit dem Jahresthema „ALIEN“ auseinander. In den neu entstandenen Arbeiten, die die Künstlerin in Auseinandersetzung mit dem Raum installiert, beschäftigt sie sich mit dem Verhältnis von Farbe, Prozess und Raum sowie mit Intermedialität, Materialität und der Rolle der Betrachtenden-Positionen. Ausgehend von ihrer eigenen Biografie beschäftigt sie dabei insbesondere der performative Kontext des Alltäglichen, des Öffentlichen und Privaten, die Darstellung von Fremdheit, das Verhältnis von Ankommen und Weggehen sowie der Einfluss kultureller Codes auf das subjektive Erleben von Migration.
Um diese Grenz- und Fremdheitserfahrungen im Raum wahrnehmbar zu machen, überführt sie die Räume des D21 Kunstraum in eine subjektive Erzählung aus Farben, Formen, Materialien und ihre Haptik. Dafür wird sie aus Foto-Übermalungen, Wandmalereien, Videos und skulpturalen Strukturen, eine großformatige Raum-Collage komponieren, die den D21 Kunstraum in einem als Gesamtwerk zu verstehende Installation überführt, die ihre Verbindung zu verschiedenen Orten genauso wahrnehmbar werden lässt, wie Zeitlichkeiten und Emotionen ihrer eigenen Biografie und Erfahrung. Die Struktur der Räumlichkeiten kann dabei leitend sein. Die Offenheit von Carolina Pérez Pallares Arbeiten lassen jedoch nur wenige Festlegungen zu.
Über verschiedene Zustände, Atmosphären, Ebenen und Proportionen entwickelt sich die Ausstellung zu einer begehbaren Metapher, zu einem Erkundungsraum, in dem man die künstlerische Auseinandersetzung mit Fremdheits- und Grenzerfahrungen, Fragen nach Identität und gesellschaftlicher Rolle, aber auch nach Zuschreibungen, Nationalitätsdebatten und Zugehörigkeitsdiskursen vertiefen kann.
„Mich treibt der Moment an, in dem sich Wahrnehmung und Imagination durchdringen und in dem das Gesehene neu vergegenwärtigt wird. Kunst bedeutet für mich nicht nur eine Herstellung von Wirklichkeit, sondern viel mehr eine für sich autonome Realität, die, wenn sie da ist, unentbehrlich in unser Bewusstsein eindringt.“
Mit dem Format D21/Solo ermöglicht der D21 eine Einzelausstellung in intensiver Auseinandersetzung mit dem Jahresthema sowie die gemeinsame Entwicklung eines Katalogs.



