Das Alien taucht in verschiedenen Kunst- und Kulturformen wie Theater, Games, Bildender Kunst und Literatur auf und ist stark mit Identitätsdebatten, wie auch mit Debatten um Empowerment verknüpft. Das Jahresthema des D21 handelt von der Idee des „Aliens“ als Bild für das „Fremde“, aber auch der Alienation, des Befremdenden im (vermeintlich) Eigenen.
Was ist das eigentlich, ein:e Alien? Im Englischen wird die Doppeldeutigkeit des Begriffs als „fremd, anders“ besonders deutlich: Als „Aliens“ werden Personen gesehen, die nicht Bürger:innen oder Staatsangehörige des Landes sind, das sich darin abgrenzt: Citizens vs. Aliens. Der Begriff „Alien” meint hier also vor allem die (von uns) Fremden. Das Alien, wie wir es aus dem Science-Fiction-Film kennen, braucht den Zusatz „extraterrestrial life“ oder „alien life“. Der Begriff „alienated“ übersetzt sich aus dem Englischen hingegen am besten mit „entfremdet“ und beschreibt sehr genau, wie viele Personen in marginalisierten Communities ihre Rolle in einer sexistischen, antifeministischen, homophoben, rassistisch oder antisemitisch diskriminierenden Gesellschaft selbst beschreiben. Das Alien wird daher schon seit den 1960er Jahren in queeren Theorien insbesondere von LGBTQIA*, PoC und Schwarzen Menschen als Allegorie für das Gefühl genutzt, entfremdet und separiert von einer heteronormativen Gesellschaft weißer Vorherrschaft zu sein. Aspekte der Allegorie „Alien“ zeigen sich als Fremd- und Selbstbezeichnung, Kampfbegriff, ermächtigender Aneignung und Strukturkritik auf.
Leider neigen Menschen dazu, Empathie nur für den engsten, ähnlichsten Kreis zu empfinden und vermeintlich Fremdes abzulehnen. Wir alle othern, vergleichen uns mit anderen und distanzieren uns, basierend auf der Vorstellung, dass Menschen und Gesellschaften sich durch Lebensform, Kultur oder andere Merkmale von der eigenen sozialen Gruppe erheblich unterscheiden. Dies ist eine Alienation, die in der Mitte der Gesellschaft stattfindet, sei es wegen des Geschlechts, der sexuellen Orientierung, der Religionszugehörigkeit, der ethnischen Zugehörigkeit, der Nationalität, der sozialen Stellung innerhalb einer Gesellschaft, oder auch wegen vermeintlicher biologischer Unterscheidungskriterien zwischen Menschen. Menschen bestimmter Hautfarben und Identitäten werden unsichtbar gemacht oder besonders exponiert durch Bias, die anfällig machen für Gewalt durch Rassismus und Antisemitismus, Ausgrenzung und Gewaltverbrechen.