2025/26 ALIEN

Das Alien taucht in ver­schie­de­nen Kunst- und Kulturformen wie Theater, Games, Bildender Kunst und Literatur auf und ist stark mit Identitätsdebatten, wie auch mit Debatten um Empowerment ver­knüpft. Das Jahresthema des D21 han­delt von der Idee des „Aliens“ als Bild für das „Fremde“, aber auch der Alienation, des Befremdenden im (ver­meint­lich) Eigenen.
Was ist das eigent­lich, ein:e Alien? Im Englischen wird die Doppeldeutigkeit des Begriffs als „fremd, anders“ beson­ders deut­lich: Als „Aliens“ wer­den Personen gese­hen, die nicht Bürger:innen oder Staatsangehörige des Landes sind, das sich dar­in abgrenzt: Citizens vs. Aliens. Der Begriff „Alien” meint hier also vor allem die (von uns) Fremden. Das Alien, wie wir es aus dem Science-Fiction-Film ken­nen, braucht den Zusatz „extra­ter­restri­al life“ oder „ali­en life“. Der Begriff „ali­en­ated“ über­setzt sich aus dem Englischen hin­ge­gen am bes­ten mit „ent­frem­det“ und beschreibt sehr genau, wie vie­le Personen in mar­gi­na­li­sier­ten Communities ihre Rolle in einer sexis­ti­schen, anti­fe­mi­nis­ti­schen, homo­pho­ben, ras­sis­tisch oder anti­se­mi­tisch dis­kri­mi­nie­ren­den Gesellschaft selbst beschrei­ben. Das Alien wird daher schon seit den 1960er Jahren in quee­ren Theorien ins­be­son­de­re von LGBTQIA*, PoC und Schwarzen Menschen als Allegorie für das Gefühl genutzt, ent­frem­det und sepa­riert von einer hete­ro­nor­ma­ti­ven Gesellschaft wei­ßer Vorherrschaft zu sein. Aspekte der Allegorie „Alien“ zei­gen sich als Fremd- und Selbstbezeichnung, Kampfbegriff, ermäch­ti­gen­der Aneignung und Strukturkritik auf.
Leider nei­gen Menschen dazu, Empathie nur für den engs­ten, ähn­lichs­ten Kreis zu emp­fin­den und ver­meint­lich Fremdes abzu­leh­nen. Wir alle othern, ver­glei­chen uns mit ande­ren und distan­zie­ren uns, basie­rend auf der Vorstellung, dass Menschen und Gesellschaften sich durch Lebensform, Kultur oder ande­re Merkmale von der eige­nen sozia­len Gruppe erheb­lich unter­schei­den. Dies ist eine Alienation, die in der Mitte der Gesellschaft statt­fin­det, sei es wegen des Geschlechts, der sexu­el­len Orientierung, der Religionszugehörigkeit, der eth­ni­schen Zugehörigkeit, der Nationalität, der sozia­len Stellung inner­halb einer Gesellschaft, oder auch wegen ver­meint­li­cher bio­lo­gi­scher Unterscheidungskriterien zwi­schen Menschen. Menschen bestimm­ter Hautfarben und Identitäten wer­den unsicht­bar gemacht oder beson­ders expo­niert durch Bias, die anfäl­lig machen für Gewalt durch Rassismus und Antisemitismus, Ausgrenzung und Gewaltverbrechen.