Der D21 Kunstraum versteht sich als Plattform und Experimentierfeld für lokale und internationale Künstler:innen. Das f/stop – Festival für Fotografie Leipzig ist ein regional, national und international ausgerichtetes Festival für Fotografie, das nicht nur eine diskursive Herangehensweise pflegt, sondern auch Gegensätze verbindet: Ost und West, lokal und international, fachspezifisch und zielgruppenweit, den Prozess betonend, aber auch Thesen in den Raum stellend und damit den Kern wie auch die Grenzen des Mediums befragt.
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Im Rahmen des Themas ALIEN sucht das f/stop – Festival für Fotografie Leipzig Kurator:innen, die sich in ihrem Ausstellungskonzept mit diesem Thema anhand junger, ostdeutscher Fotograf:innen kuratorisch auseinandersetzen.
Das Alien taucht in verschiedenen Kunst- und Kulturformen wie Theater, Games, Bildender Kunst und Literatur auf und ist stark mit Identitätsdebatten, wie auch mit Debatten um Empowerment verknüpft. Das Jahresthema des D21 handelt von der Idee des „Aliens“ als Bild für das „Fremde“, aber auch der Alienation, des Befremdenden im (vermeintlich) Eigenen.
Was ist das eigentlich, ein:e Alien? Im Englischen wird die Doppeldeutigkeit des Begriffs als „fremd, anders“ besonders deutlich: Als „Aliens“ werden Personen gesehen, die nicht Bürger:innen oder Staatsangehörige des Landes sind, das sich darin abgrenzt: Citizens vs. Aliens. Der Begriff „Alien” meint hier also vor allem die (von uns) Fremden. Das Alien, wie wir es aus dem Science-Fiction-Film kennen, braucht den Zusatz „extraterrestrial life“ oder „alien life“. Der Begriff „alienated“ übersetzt sich aus dem Englischen hingegen am besten mit „entfremdet“ und beschreibt sehr genau, wie viele Personen in marginalisierten Communities ihre Rolle in einer sexistischen, antifeministischen, homophoben, rassistisch oder antisemitisch diskriminierenden Gesellschaft selbst beschreiben. Das Alien wird daher schon seit den 1960er Jahren in queeren Theorien insbesondere von LGBTQIA*, PoC und Schwarzen Menschen als Allegorie für das Gefühl genutzt, entfremdet und separiert von einer heteronormativen Gesellschaft weißer Vorherrschaft zu sein. Aspekte der Allegorie „Alien“ zeigen sich als Fremd- und Selbstbezeichnung, Kampfbegriff, ermächtigender Aneignung und Strukturkritik auf.
Leider neigen Menschen dazu, Empathie nur für den engsten, ähnlichsten Kreis zu empfinden und vermeintlich Fremdes abzulehnen. Wir alle othern, vergleichen uns mit anderen und distanzieren uns, basierend auf der Vorstellung, dass Menschen und Gesellschaften sich durch Lebensform, Kultur oder andere Merkmale von der eigenen sozialen Gruppe erheblich unterscheiden. Dies ist eine Alienation, die in der Mitte der Gesellschaft stattfindet, sei es wegen des Geschlechts, der sexuellen Orientierung, der Religionszugehörigkeit, der ethnischen Zugehörigkeit, der Nationalität, der sozialen Stellung innerhalb einer Gesellschaft, oder auch wegen vermeintlicher biologischer Unterscheidungskriterien zwischen Menschen. Menschen bestimmter Hautfarben und Identitäten werden unsichtbar gemacht oder besonders exponiert durch Bias, die anfällig machen für Gewalt durch Rassismus und Antisemitismus, Ausgrenzung und Gewaltverbrechen.
Das konkrete Ausstellungskonzept wird in einem moderierten Prozess nach der Auswahl der Kuration entwickelt. Wichtig sind dem f/stop Leitungsteam Offenheit und Kooperationsbereitschaft sowie die Neugier auf das Arbeiten in einem moderierten Prozess und einem Team mit anderen Kurator:innen. Das f/stop Leitungsteam legt außerdem Wert auf eine gute Kenntnis der jungen Fotoszene in Ostdeutschland mit einem Blick für das weite Spektrum der Fotografie. Das entwickelte Konzept soll im Rahmen eines Budgets von max. 25.000€ liegen. Die Umsetzung der Ausstellung erfolgt gemeinsam mit dem f/stop Team und wird an einem noch zu bestimmenden Festivalort im Stadtgebiet Leipzigs ausgestellt.
Bewerbungsunterlagen
1. Kuratorisches Portfolio mit folgenden Angaben:
• Beschreibung der eigenen Praxis (1 A4-Seite)
• Vorstellung exemplarischer Ausstellungen/Projekte, in denen ein Bezug zur Ausschreibung erkennbar wird, inklusive Ausstellungsansichten, Künstler:innenliste, Budgetnennung
• CV
2. Motivationsschreiben für die angestrebte Kuration
Bitte alles in einem Gesamt-PDF (keine Einzelseiten) senden (max. 10 Seiten; Datenvolumen max. 12MB) oder dauerhaft nutzbaren Downloadlink verwenden; zeitbasierte Medien wie Video/Sound bitte nur als Link zur Verfügung stellen.
Die Realisierung des Projektes erfolgt unter Vorbehalt einer Finanzierung. Die Einreichungen können auf Deutsch oder Englisch bis zum 15.02.2026 an office@d21-leipzig.de gesendet werden. Die Auswahl trifft das f/stop Leitungsteam.