20.2. – 15.3.26

f/stop – Fotomonat: Anna Perepechai

Ausstellung

Eröffnung  20.02.2025

Ausstellungsdauer  20.2. – 15.3.26

Künstler:innen  Anna Perepechai

„Tears of Things“

Die Ausstellung zeigt Arbeiten der ukrai­ni­schen Künstlerin Anna Perepechai, die seit 2014 zwi­schen Deutschland und der Ukraine lebt und arbei­tet. In ihnen setzt sich die Künstlerin sub­jek­tiv wie doku­men­ta­risch mit kolo­nia­ler und impe­ria­ler Gewalt auf Gesellschaften, Familien, Körper, Landschaften und Alltagsobjekte aus­ein­an­der. Perepechais künst­le­ri­sche Praxis ver­bin­det Fotografie mit eige­nen Texten, Archivmaterialien und instal­la­ti­ven Objekten.

In dem in der Ausstellung gezeig­ten Werkkomplex „Tears of Things“ geht die Künstlerin von ihrer eige­nen Familiengeschichte aus. Sie beglei­tet das Leben ihrer Familie im Krieg mit­hil­fe von Fotografien, die Erinnerungen nach­spü­ren, Videos, die Drohnenüberflüge fest­hal­ten oder Archivalien aus dem Familienarchiv, die Erlebnisse und Personen evo­zie­ren. Portraits ihrer Familienmitglieder zei­gen ein trans­for­mier­tes Leben zwi­schen Hoffnung und Angst. Sie the­ma­ti­sie­ren das Verhältnis von Vergangenheit und Gegenwart und wie sich Politik und Gesellschaft in das Leben von Individuen einschreiben.

In die­sem Werkkomplex setzt sie sich kon­kret mit Fragen nach dem Leben aus­ein­an­der. Was zählt? Was bleibt? Was wird vergessen?

Fotografien ent­fal­ten ein Geflecht aus Ausschnitten und Momenten – Beobachtungen aus Gegenwart und Vergangenheit, die sich gegen­sei­tig durch­drin­gen. Die asso­zia­ti­ve Anordnung der Arbeit „Seems like home“ lässt die Zeitebenen „vor dem Krieg“, „nach dem Krieg“ ver­schwim­men. Die als irra­tio­nal emp­fun­de­ne Zeitmessung in einem Ausnahmezustand wie Krieg kon­tras­tiert sich mit der Schönheit all­täg­li­cher Lebensabläufe und erzählt anhand von Fotografien und Stücken aus dem Familienarchiv eine Geschichte von Sehnsucht nach dem Vergangenen und nach Zugehörigkeit, vom Verlust der Heimat, sowie der Suche nach Erinnerungen.

Von die­ser sehr inti­men, nahen Sicht auf ihre Wurzeln, tre­ten die Arbeiten der Serie „Buried“ und „Open Fractures“ einen Schritt zurück und ver­ar­bei­ten Erlebtes auf einer abs­trak­te­ren Ebene. So zei­gen in der Arbeit „Open Fractures“ UV-Drucke auf Stahlplatten die Strukturen einer zer­stör­ten Brücke in der Nähe von Anna Perepechais Heimatort Borzna, die zum Schutz der Stadt und deren Einwohner:innen 2022 gesprengt wur­de. Ein aus­lie­gen­des Buch mit Schwarz-Weiß-Fotografien von der Stadt ver­mit­telt einen obser­vie­ren­den, ana­ly­ti­schen Blick auf wich­ti­ge Gebäude, Plätze oder Ecken, an denen für die Künstlerin wich­ti­ge Momente erleb­bar wurden.

In der Arbeit „Buried“ the­ma­ti­siert Anna Perepechai die Erde, die Erdformationen, das Land, das Heimat der Künstlerin ist. Die Form der Linien und Flächen der Schwarz-Weiß-Prints las­sen die Gewalt erah­nen, die dem Land im rus­si­schen Angriffskrieg gegen die Ukraine ange­tan wird.

Dennoch ver­steht die Künstlerin die­se Ausstellung auch als Zeichen der Hoffnung: Mit der Arbeit „If you want to sur­vi­ve, never kne­el down“ erin­nert sie in ihren doku­men­ta­ri­schen Fotografien an den Mut, die Kraft und den Widerstand der Ukrainer:innen auf dem Maidan in Kyjiw wäh­rend der Revolution der Würde (2013–2014).

Die Ausstellung der Künstlerin Anna Perechai öff­net den Blick auf eine per­sön­li­che Auseinandersetzung mit dem rus­si­schen Krieg gegen die Ukraine, sei­nen Eruptionen und Verwerfungen in Bezug auf die eige­ne Familie, auf Heimat und Zuhause, Fremdheit und Distanz, und erwei­tert den Blick auf die Transformationen, die ent­ste­hen, wenn Gewalt, Verlust und Distanz auf Vertrautes, Zugehöriges und Intimes treffen.

Der D21 Kunstraum geht mit dem f/stop – Fotomonat in die zwei­te Runde und wid­met sich der „Jungen loka­len Fotoszene“. Eingeladen waren 2026 Absolvent:innen von Kunsthochschulen aus dem Raum Mitteldeutschland, foto­gra­fi­sche Arbeiten, die als Abschlussarbeiten ent­stan­den sind im Kontext des aktu­el­len Jahresthema „ALIEN“ zu präsentieren.

© Anna Perepechai – Maidan Protesters at Hrushevskoho Str., Revolution of Dignity, from the book “If You Want to Survive, Never Kneel Down”
2014

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