Lesung mit Irina Rastorgueva und Führung durch die Ausstellung
Während innerhalb Russlands das Verbot kritischer Medien und die Gleichschaltung der verstaatlichten
Sender eine geradezu karikaturhafte Erzählung über traditionelle Werte und die Notwendigkeit der »Militärischen Spezialoperation« hervorbringen, führen sorgfältig geplante Aktionen im Rest der Welt zur Destabilisierung demokratischer Gesellschaften. Putins Propagandamaschine erzeugt ein toxisches Amalgam religiöser, pseudowissenschaftlicher und nationalistischer Ideen, bedient sich der Esoterik und einer auf Wortneuschöpfungen basierenden Sprache – und zielt mit der Bildkultur der sozialen Medien nicht mehr nur auf den Intellekt, sondern rückhaltlos auf Emotionen und die niedersten Instinkte.
In unverwechselbarem Ton, so präzise wie ironisch, zeigt Irina Rastorgueva in einer Montage aus Zeitungsfundstücken und unabhängigen Berichten, aus der eigenen Erfahrung genauso wie aus der Analyse kremlkritischer und russlandtreuer Autoren und Medien das Wirken der russischen Propaganda als Mittel der Selbstvergiftung eines ganzen Landes.
Irina Rastorgueva, 1983 in Juschno-Sachalinsk geboren, studierte Philologie an der Staatlichen Universität Sachalin und arbeitete als Kulturjournalistin für mehrere russische Zeitschriften und Radiosender. Seit 2017 lebt sie als freie Autorin und Grafikerin in Berlin; sie schreibt u. a. für die Berliner Zeitung, die FAZ, die NZZ und das Magazin Osteuropa. 2022 erschien Das Russlandsimulakrum. Für Pop-up Propaganda hat sie dieses Jahr den Preis der Leipziger Buchmesse in der Kategorie Sachbuch erhalten.

