26.9. – 14.12.25

Anstiftung zur Vorspiegelung wahrer Tatsachen

Ausstellung

Eröffnung  26.09., 19 Uhr

Ausstellungsdauer  26.9. – 14.12.25

Künstler:innen  Juliane Jaschnow

Kuratiert durch  Constanze Müller

Die Einzelausstellung der Künstlerin und Filmemacherin Juliane Jaschnow (*1989) mit dem Titel Anstiftung zur Vorspiegelung wah­rer Tatsachen the­ma­ti­siert die Macht visu­el­ler Narrative sowie die Instrumentalisierung von Bildern und kol­lek­ti­ver Erinnerung in der Auseinandersetzung mit dem gegen­wär­ti­gen Russland. In die­sem Kontext zeigt die Ausstellung Elemente der bereits bestehen­den Arbeiten Rekapitulieren (2019–2021) und «mit freund­li­chem Beifall» (2023/2024) zusam­men mit der neu ent­wi­ckel­ten Installation Anstiftung zur Vorspiegelung wah­rer Tatsachen (2025).

Juliane Jaschnow setzt sich in ihren audio­vi­su­el­len Installationen mit media­len Erzählmustern aus­ein­an­der, mit denen Russland sei­ne Rolle in der Welt insze­niert und sein poli­ti­sches Handeln recht­fer­tigt. Dabei trifft sie auf Prinzipien der (Re-)Konstruktion und (Re-)Inszenierung, auf Zerrbilder, Kopien, Kulissen und die Übertragung his­to­ri­scher Symbole in gegen­wär­ti­ge Kontexte. Die Künstlerin seziert die­se Prinzipien, indem sie Bildobjekte mate­ria­li­siert, Medienbeiträge und ihre ideo­lo­gi­sche Aufladung dis­kur­siv ver­schiebt und in raum­grei­fen­den Installationen verdichtet.

Im Zentrum der Arbeit Rekapitulieren steht ein vom rus­si­schen Verteidigungsministerium errich­te­ter Nachbau des Berliner Reichstags im militärpatriotischen Freizeitpark Park Patriot bei Moskau. Hunderte Statist:innen rekon­stru­ier­ten dort im Frühjahr 2017 die iko­ni­sche Schlüsselszene des rus­si­schen Kriegsgedenkens – die Erstürmung des Reichstags im Mai 1945 und das Hissen der sowje­ti­schen Flagge auf dem Gebäude. Dieses Reenactment bil­det den Ausgangspunkt von Juliane Jaschnows Auseinandersetzung mit der deutsch-rus­si­schen Erinnerungskultur. Im Fokus der Arbeit, die neben einer Videoinstallation Objekte und Printelemente umfasst, ste­hen kol­lek­ti­ve Geschichts- und Erinnerungsbilder, ihre iden­ti­täts­stif­ten­de Rolle sowie die Bedeutung patrio­ti­scher Erziehung.

Die mehr­tei­li­ge Arbeit «mit freund­li­chem Beifall» befasst sich mit Kontinuitäten pro­pa­gan­dis­ti­scher Inszenierungen Russlands und den Mechanismen von Desinformation und Täuschung. Sie unter­sucht media­le Räume, Formen und Hintergründe der Machtrepräsentation – wie etwa die neu­ge­stal­te­ten Vorhänge im Repräsentationssaal des Kremls, in dem u.a. aus­län­di­sche Staatsgäste für das Fernsehen emp­fan­gen wer­den. Gleichzeitig fällt der Blick zurück auf einen Zeitungsbericht von 1993, in dem Putin eine „Militärdiktatur nach chi­le­ni­schem Vorbild“ für Russland befürwortet.

In ihrer neu­en Arbeit Anstiftung zur Vorspiegelung wah­rer Tatsachen setzt sich Juliane Jaschnow mit der fort­schrei­ten­den Sakralisierung der rus­si­schen Staatsmacht aus­ein­an­der. So unter­sucht sie etwa die Rolle des ortho­do­xen Glaubens sowie des Schamanismus bei der ideo­lo­gi­schen Legitimierung der „mili­tä­ri­schen Spezialoperation“ in der Ukraine  – und deren Einbettung in ein reli­gi­ös-natio­na­lis­ti­sches Narrativ von Aufopferung und Heldentum für Russland. Ihr Blick rich­tet sich auch auf über­sinn­li­che Praktiken, die als indi­vi­du­el­le Bewältigungsstrategien in Zeiten kol­lek­ti­ver Verunsicherung und krie­ge­ri­scher Realität ein­ge­setzt wer­den. Juliane Jaschnows Recherche ver­ar­bei­tet ein gro­ßes Volumen an visu­el­lem Material aus den rus­si­schen Medien zu einer mehr­tei­li­gen Installation aus Requisiten, Spiegelobjekten, Teleprompter und Videos. In einem spe­zi­ell kon­stru­ier­ten Spiegelkabinett opti­scher Täuschung – einem Photo-Multigraphen – ver­han­delt sie die Konzepte von Wahrheit, Lüge, Täuschung und Illusion.

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