22.4. – 19.7.26

Dissident Bodies

Ausstellung

Eröffnung  22.04.2026

Ausstellungsdauer  22.4. – 19.7.26

Künstler:innen  Alice dos Reis, André Romão, Eliška Konečná, Esse McChesney, Hugo Canoilas, Hugo de Almeida Pinho, Kiluanji Kia Henda, Laila Majid & Louis Blue Newby, Lito Katou, Manuel Sékou, Odete & Diana Policarpo / im Rahmenprogramm / public programme: Fallon Mayanja, Nanna Heidenreich

Kuratiert von  Sara Castelo Branco

Dissident Bodies ver­sam­melt Arbeiten, die sich mit dem Körper in einer zuneh­mend post­hu­man gepräg­ten Gegenwart aus­ein­an­der­set­zen. Die Ausstellung löst sich von einem anthro­po­zen­tri­schen Verständnis, das den Menschen als zen­tra­le Bezugsgröße setzt, und rich­tet den Blick auf Subjektivitäten, die aus tech­no­lo­gi­schen, öko­lo­gi­schen, poli­ti­schen und affek­ti­ven Verflechtungen her­vor­ge­hen. Der Körper erscheint dabei als offe­nes Gefüge von Beziehungen, das nicht als abge­grenz­te Einheit, son­dern als durch­läs­si­ge, sich fort­wäh­rend ver­än­dern­de Struktur ver­stan­den wird.
In die­sem Kontext wer­den Hybridisierung, Metamorphose und Fluidität als Prozesse sicht­bar, in denen sich Körperlichkeiten über­la­gern, inein­an­der über­ge­hen und kon­ti­nu­ier­lich trans­for­mie­ren. Die Ambivalenz zwi­schen Natur und Technik zeigt sich dort, wo orga­ni­sche und künst­li­che Elemente inein­an­der­grei­fen und ein­deu­ti­ge Zuordnungen auf­ge­löst wer­den. Verkörperung wird so als dyna­mi­scher Prozess erfahr­bar, in dem sich Körper, Wahrnehmung und Identität per­ma­nent neu konstituieren.

Indem die Ausstellung außer­dem das Potential des „Dazwischen“ betont, wer­den Queerness, Entfremdung, Rassifizierung und Hybridität nicht als fes­te Kategorien, son­dern als beweg­li­che, rela­tio­na­le Zustände ver­han­delt. Der Körper erscheint als ver­schieb­ba­re Schwelle zwi­schen Identität und Alterität, Selbst und Anderem – ein­ge­bet­tet in ein kom­ple­xes Geflecht sich stän­dig wan­deln­der Beziehungen.

Die Skulpturen von André Romão ver­set­zen die Betrachter:innen in sur­rea­le, melan­cho­li­sche Landschaften. Ähnlich mythi­sche Atmosphären rufen die Arbeiten von Hugo Canoilas her­vor: Sie fun­gie­ren als porö­se Schwellen zwi­schen Subjekt und Umwelt. In ver­gleich­ba­rer Weise insze­niert Lito Katou in sei­nen Skulpturen ein post­hu­ma­nes Groteskes, in dem orga­ni­sche und syn­the­ti­sche, beleb­te und unbe­leb­te Elemente zusam­men­flie­ßen. Andere Arbeiten befas­sen sich mit Fragen von Identität, Technologie und Beziehung. Esse McChesney ent­wi­ckelt Textilarbeiten zwi­schen men­ta­len Bildern, kör­per­li­cher Präsenz und Online-Personae und rückt dabei eine que­e­re, nicht-binä­re und trans Perspektive in den Mittelpunkt. Der Film von Laila Majid und Louis Blue Newby ver­steht Queerness als eine spe­ku­la­ti­ve, zukunfts­ge­rich­te­te Form von Beziehung. Odete und Diana Policarpo grei­fen femi­nis­ti­sche Science-Fiction auf und ver­bin­den in ihrem Film Bioethik, Paläontologie und spe­ku­la­ti­ves Denken.

Die Ausstellung reflek­tiert zugleich his­to­ri­sche Prozesse, durch die Körper klas­si­fi­ziert, aus­ge­stellt oder zum Schweigen gebracht wur­den. Kiluanji Kia Henda the­ma­ti­siert ras­si­fi­zier­te Geschichten der Objektivierung und zeigt in einem Porträt die gewalt­sa­men Mechanismen, durch die Schwarze Körper zu Objekten der Darstellung und Kontrolle redu­ziert wur­den. Hugo de Almeida Pinho hin­ter­fragt die Grenzen zwi­schen Wissen und epis­te­mi­scher Gewalt. Eliška Konečná erwei­tert die­se Untersuchung durch Arbeiten, die den Körper als Ort affek­ti­ver Erinnerung und laten­ter Spannung begreifen.

Der Film von Alice dos Reis spielt in der por­tu­gie­si­schen Serra da Gardunha und ver­bin­det loka­le Geschichten über geheim­nis­vol­le Lichter mit per­sön­li­chen Erfahrungen, Geologie und der Thematik unge­woll­ter Schwangerschaft. Manuel Sékous klang­ba­sier­te Arbeit nutzt geschich­te­te Soundlandschaften und rhyth­mi­sche Strukturen und ver­steht Klang als Raum der Begegnung, der hybri­de Verbindungen zwi­schen orga­ni­scher und syn­the­ti­scher Welt andeutet.

Die Ausstellung fin­det im Rahmen des Jahresthemas ALIEN statt und knüpft damit an die Figur des „Fremden“ als zen­tra­le Denkfigur an. Dabei wird das „Alien“ sowohl als nicht-mensch­li­che Figur wie auch als gesell­schaft­lich pro­du­zier­te Kategorie von Andersheit ver­stan­den, die Fragen von Zugehörigkeit, Ausschluss und Entfremdung im Kontext post­hu­ma­ner Körper- und Identitätskonzepte neu verhandelt.

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