Fotofolgen No. 68: Das gute Alte und die Fotografie

Eröffnung
Sonnabend, 23. Juni 2012, 17 Uhr

Ausstellungsdauer
24.06 – 01.07.2012

Künstler/innen
Absalom & Bardsley, Sabine Dusend, Alexander Rischer, Andrzej Steinbach, Friedrich Tietjen, Dagmar van Wersch, Matthias Wollgast, Steffen Zillig

Kuratiert von Daniel Niggemann und Steffen Zilli

Die gesamte Nation befände sich in einem „delirium of nostalgia“ schimpfte kürzlich der New Yorker Kunsthistoriker Simon Schama anlässlich des Erfolgs der amerikanischen Kostümserie „Downtown Abbey“ in der Newsweek. Modische Renaissancen und Retrowellen sind keine Erfindung unserer Zeit, aber nie prägten sie so bestimmend den Zeitgeist wie heute. Was fasziniert uns so an der Vergangenheit? Warum bezahlt Facebook eine Milliarde US-Dollar für die Foto-Plattform instagr.am, deren bedeutendste Innovation der Vergilbungseffekt von Smartphone-Bildern ist? Ist es das Melancholische des Retro, wie Niklas Maak vermutet? In Retro überlebe ästhetisch, was politisch aufgegeben wurde: „Die Euphorie eines Aufbruchs, der Glaube an die Möglichkeit eines Wandels, an Zukunft.“ Unsere desorientierte Gegenwart, so die Diagnose, zieht sich ihre Dosis Zukunftsglauben aus der Vergangenheit. Es gibt gute Gründe, sich dieser Rückwärtsbewegung aus einer anderen Perspektive anzunähern, aus einer künstlerischen.

Die Fotografie hat dabei einen ästhetischen Doppelcharakter, der sie für die künstlerische Bearbeitung des Vergangenen geradezu prädestiniert. Zum einen altern Fotografien anders, als beispielsweise Malereien. Die technische Indiskretion der analogen Fotografie, ihr unbestechlicher„Realitätseffekt“ sprengt die freischwebende Erinnerung: „Genau so war es!“, scheinen die Bilder zu sagen und beladen sich mit der Aura historischer Tatsächlichkeit. Aufgrund dieses unwiderstehlichen „Realitätseffektes“ würden wir, stellte man uns vor die Alternative, zur Annäherung an eine historischen Figur – sagen wir die Goethes – die Fotografie stets dem gemalten Abbild vorziehen.

Wegen ihrer optischen Schlag- und Beweiskraft ist die Fotografie favorisiertes Medium dokumentarischer wie künstlerischer Bewahrung visuellen Wissens. Ob es die 80 Millionen Bilder der größten Bildagentur Corbis sind, die deren Eigentümer Bill Gates zu ihrem Schutz in einem alten Bergwerk in Pennsylvania verstauen ließ, oder die akribischen Fotografien von Bernd & Hilla Becher, die mit ihren sachlichen Bildern von ausrangierten Wassertürmen und Hochöfen die Dokumentarfotografie in der Kunstwelt etablierten.

Die Ausstellung „Das gute Alte & die Fotografie“ stellt aktuelle Ästhetiken fotografischer Vergangenheitsbewältigung zur Diskussion. Sie zeigt Künstler, die sich mit heutigen fotografischen Mitteln einem alten oder gealterten Gegenstand zuwenden: einem aussterbenden Handwerk, einem alternden obskuren Bauwerk oder der Tragik des Vergehens im Allgemeinen. Und sie zeigt aufregende Fundstücke aus Fotoarchiven – Bilder, die uns in fremde Jahrzehnte katapultieren und deren Ehrfurcht erregende Schärfe dem Alter trotzt. Zuletzt setzten zeitgenössische Dokumentarfotografien die Frage auf die Agenda, welche Bilder einmal von unserer Gegenwart Zeugnis ablegen werden.

Die Ausstellung ist eine Kooperation mit Fotofolgen und Satellit von f/stop – 5. Festival für Fotografie Leipzig (23.6.-1.7.2012). Gefördert durch den Freundeskreis der Hochschule für Grafik und Buchkunst und das Kulturamt der Stadt Leipzig.

Gefördert durch

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